Ehemalige Nationalspieler – was machen die heute?

23 01 2012

Früher umjubelte Stars auf dem grünen Rasen vor Zehntausenden von Fans auf den Rängen und Millionen vor den TV-Bildschirmen. Doch ewig macht kein Körper diese Daueranstrengungen mit. Was kommt für deutsche ehemalige Nationalspieler danach?

1954er: nach der aktiven Karriere bescheidene kleine Läden

Die Sensationsweltmeister von 1954, als Deutschland den haushohen Favoriten Ungarn schlagen konnte, haben meist viel bescheidenere berufliche Tätigkeiten nach der Karriere ausgeübt als die von Geld und beruflichen Möglichkeiten verwöhnten Stars von heute. Die 54er kauften sich noch kleine Einzelhandelsläden wie Lotto-Toto-Geschäfte, in denen sie nach der Karriere nicht selten selbst standen.

Uwe Seeler (Hamburger Sportverein), Idol der 1960er Jahre, wird für seine faire Einstellung auf und neben dem Platz geachtet. Der Mittelstürmer kämpfte auch bei Rückständen und üblen Fouls immer weiter und hielt trotz Millionenofferte aus dem Ausland (Inter Mailand) seinem Stammverein HSV die Treue. Solche beliebten Prominenten werden bis heute gerne als Aushängeschild eines Unternehmens (oder Werbefigur) beschäftigt. So arbeitete Seeler jahrelang als Repräsentant für Adidas. Von 1995 bis 1998 amtierte er mit mäßigem Erfolg als HSV-Präsident. Nach mehreren ehrenamtlichen Engagements (Traditionsmannschaft) setzt sich Seeler seit 2008 als SchrittMacher für die Tom-Wahlig-Stiftung (Heilung der spastischen Spinalparalyse) ein.

Vom grünen Rasen auf die Trainerbank

Einige wenige ehemalige Nationalspieler schafften sogar den Sprung auf die Trainerbank der Nationalmannschaft. Franz Beckenbauer, einer der weltbesten Spieler der 1970er Jahre, wurde Teamchef und sein damaliger "Wasserträger" Berti Vogts sein Nachfolger. Später folgten der ehemalige Mittelstürmer Rudi Völler und der als Spieler nie aufgebende Goalgetter und "Flipper" Jürgen Klinsmann (im Sommermärchen der Heim-WM 2006).

Heute arbeitet Beckenbauer als TV-Experte. Vogts ist nach weiteren Stationen in Kuwait, Schottland und Nigeria jetzt Nationaltrainer des Fußball-Zwergen Aserbaidschan. Klinsmann arbeitete bis zu seiner Freistellung mit kreativen bis schrägen Ideen kurzzeitig als Trainer des FC Bayern München. Seit Juli 2011 ist er als Nationaltrainer der USA tätig. Völler amtiert momentan als Sportdirektor bei Bayer Leverkusen.

Gefragte TV-Experten und Kolumnisten

Als Nationaltrainer im Ausland arbeitete auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (150 Einsätze), 1990 und 1991 zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Nach fünfmaligen Engagements als Vereinstrainer betreute er die in Europa zweitklassigen Teams von Ungarn und Bulgarien (bis September 2011). Er arbeitete als Kolumnist für Sport Bild und als Experte mehrerer TV-Sender.

Dass die Vermarktung, TV- und Werbeeinnahmen im Profifußball seit den 1990er Jahren stark zugenommen haben, wissen die Fußballstars dieser Zeit zu nutzen. So arbeiten telegene ehemalige Nationalspieler, die sich verbal gut ausdrücken können, heute als TV-Experten, wie beispielsweise Günther Netzer (bis 2010), Beckenbauer und Thomas Helmer. Netzer ist derzeit im Management der Schweizer Sport- und Medienrechte-Agentur Infront Sports & Media AG tätig.

Rechtsverteidiger Manfred Kaltz, Erfinder der "Bananenflanken", meist auf den Kopf seines kongenialen Partners Horst Hrubesch, hat sich nach Stationen als Co-Trainer bei mehreren Vereinen dem Jugendfußball verschrieben. So leitet er seit 2002 die Manfred-Kaltz-Fußballschule und gehört dem Kuratorium der Stiftung Jugendfußball an.

Neue Chancen nach persönlichen Problemen

Wie im normalen Fanleben gibt es sie natürlich auch – die beruflich (phasenweise) nicht so erfolgreichen ehemaligen Nationalspieler. Nur ein Beispiel ist Uli Borowka mit seinen sechs A-Länderspielen aus dem Jahr 1988, inklusive der damaligen Heim-Europameisterschaft. Der zweimalige deutsche Meister und Europapokalsieger mit Werder Bremen hatte nach seiner aktiven Zeit erst vielerlei Probleme, familiäre und alkoholbedingte. Nach Stationen als Trainer bei kleineren Vereinen nutzt er derzeit seine neue berufliche Chance als Talentsucher beim DFB.


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